Flöte spielende Hände
Beps Musek Atelier

Was ist in diesen Solfègebüchern anders?

Wer nicht hört, was er sieht, und nicht sieht, was er hört,
verdient nicht Musiker genannt zu werden!
Zoltàn Kodàly

In den Mittelpunkt der Arbeit stelle ich die Entwickelung der Fähigkeit, vom Notenbild intonieren zu können, ohne Hilfe eines Instrumentes oder einer dritten Person und die Fähigkeit, sich Musik innerlich vorstellen zu können ohne dass diese Musik im Moment erklingt d.h., die Arbeit an

  • der Intonation,
  • dem Gehör und
  • dem Rhythmus!

Das Kind soll nicht erst durch die Beschäftigung mit dem Instrument den Kontakt zur Notenschrift erlangen. Dies würde den Solfègeunterricht überflüssig machen, was nicht im Sinne dieses Faches ist!


Was bieten meine Bücher, um diese Ziele zu erreichen?

Am Beginn aller musikalischen Übung,
der rhythmischen wie der melodischen,
steht die Sprechübung.
Carl Orff

Das erste Buch beginnt mit einem Spruch. Aus diesem Spruch wird der Rhythmus herausgezogen und gelernt. Der gleiche Spruch, jetzt als Zweitonmelodie, wird anschließend dazu benutzt, die ersten Noten, das erste Intervall, den Takt sowie die ersten Musikbegriffe zu lernen.

Die Solfègeübungen in den ersten Büchern sind kurz.
Was soll damit erreicht werden?

Es ist eine Tatsache, dass kleine Kinder sich in langen Solfègeübungen gerne verlieren. Dies geschieht öfter als wir annehmen. In kleinen Übungen kann dieses Problem reduziert beziehungsweise ganz abgestellt werden. Kleine Kinder können sich nicht lange auf eine Arbeit konzentrieren. Kurze Übungen kommen ihnen entgegen. Kurze Übungen sind auch schneller gelernt und lassen sich öfter von einzelnen Kindern wiederholen. Es ist gerade der Wiederholungseffekt, der es dem Kind ermöglicht, sich schnell mit der Übung zu identifizieren. Es singt dann diese Übung gerne und diese festigt sich in seinem Gedächtnis! Das Kind sieht schneller das Ende der Übung und verliert nicht so schnell den Mut an der Arbeit. Lange Übungen sind ermüdend und ermuntern das Kind nicht, sie zu Hause zu wiederholen.

Viele kleine Übungen ergeben am Ende auch viele Noten mit dem Vorteil, dass mehr Tonarten, Style, Charaktere und Rhythmen gelernt werden konnten. Solche kleinen Übungen dürfen allerdings nicht wochenlang gesungen werden und dürfen niemals durch ein Vorspiel eingeleitet werden. Die Kinder wissen dann sehr schnell, um welche Melodie es sich handelt und singen nicht mehr vom Notenbild!

In den ersten Jahren ist es wichtiger, die Intonation und den Rhythmus zu üben anstatt nur lange und schwere Solfègeübungen abzusingen.

Weitere Informationen zu diesem Thema unter der Rubrik Fragen.


Mit welchen Übungen wird die Rhytmen und die Intonation geschult?

Mit der Rhythmussprache wird der Rhythmus erabeitet und mit den Handzeichen die Solmisation und die Töne im Raum angezeigt. Diese Hilfsmittel soll man nicht als eine kindische Nebensache abtun. Sie helfen dem Kinde, sich die abstrakten Zeichen der Notenschrift konkreter vorzustellen. Sie sollen so lange wie möglich angewandt werden.

Die ersten Übungen sind die Rhythmus- und Melodie-Echos. Sie sind ebenfalls die ersten Diktate.

Finde die richtige Figur, gehört in die Kategorie der Gedächtnis- und Diktatübungen. Das Prinzip dieser Übung soll durch alle Jahre hindurch angewandt werden.

Ich bin kein Freund von sogenannten Quizaufgaben, in denen nur die richtige Lösung angekreuzt werden muss. Die Antwort, die das Kind gefunden hat, gibt keine Auskunft über sein Wissen, denn es muss die Aufgabe nicht reproduzieren.

Bei solchen Aufgaben lernt das Kind nichts dazu!


Im Préparatoire-Buch ist ein Spiel beschrieben: Das lebende Klavier, mit dem kleine Rhythmuszeilen und kleine Melodien dargestellt werden können.

Das Fernsehspiel ist eine Gedächtnisübung und eine Übung für das "Vom Blatt Singen".
Das Prinzip dieser Übung soll durch alle Jahre hindurch angewandt werden.

Die Intonationsübungen, die Hör- Solfègeübungen mit der Rhythmusbildung sind das Rückgrad der Arbeit in meinen Büchern.

Intonationsübungen

im 1. Lehrerbuch auf S. 34/35, S. 65/66, S. 76/77,

im 2. Lehrerbuch auf S. 9/10, S. 66, S. 68/69, S 72, S. 81, S. 91 bis 96, S. 101/102, S. 146

im 3. Lehrerbuch auf S. 4/5, S. 10/11, S. 14 bis 16,

im 4. & 5. Lehrerbuch auf S. 5 bis 7, S. 10.


Die Intervalle

Die innere Vorstellung der Rhythmen und des Klanges der Intervalle ist die Voraussetzung, sich eine akustische Vorstellung des Notenbildes zu machen, vom Blatt zu singen und ein Diktat niederschreiben zu können!

Die Arbeit mit den Intervallen besteht im Singen, Solmisieren, Definieren, Memorieren, Hören, Wiedererkennen und Schreiben.

Die Intervalle nur theoretisch zu lehren und zu lernen, ist eine der sinnlosen und nutzlosen Beschäftigungen im Solfège (Paul Hindemith). Das Lesen eines Rezeptes macht nicht satt und ein Bild eines Stückes Schokolade ruft beim Betrachter, der noch nie Schokolade gegessen hat, keine Vorstellung des Geschmacks hervor. Es bleibt ein Bild und die Theorie der Intervalle bleibt eben nur Theorie ohne Bezug zum Klang.

Das Gleiche gilt für die Dreiklänge.
In der Einführung zu meinen Büchern findet der Lehrer weitere Überlegungen dazu.

Intervallübungen im

1. Lehrerbuch S. 55/56,

2. Lehrerbuch S. 13 bis 15, S. 68/69,

3. Lehrerbuch S. 27/28, S. 31/32, S. 37, S. 41 bis 43, S. 105/106

4. & 5. Lehrerbuch S. 13/14, S. 32/33, S. 39/40,

Dreiklangübungen im

1. Lehrerbuch S. 81, S. 125, S. 134,

2. Lehrerbuch S. 146 bis 148

3. Lehrerbuch S. 46, S. 52/53 S. 62, S. 69/70,

4. & 5. Lehrerbuch S. 27/28, S. 58.


Die zweistimmigen Sing- und Hörübungen

Wir können nicht früh genug mit der Zweistimmigkeit anfangen. Sie ist sehr wichtig für die Entwicklung des Kindes. Wie soll ein Kind zweistimmig hören und denken, ein zweistimmiges Diktat machen können, wenn es vorher noch nie mit der Zweistimmigkeit konfrontiert wurde?! Was man beim kleinen Kind versäumt, wir später schwer wieder gut zu machen sein.

In den Lehrerbüchern stehen weitere Übungen, die ich hier nicht weiter aufzählen will.

Die Arbeit der Intonation, der Gehör- und Rhythmusbildung beansprucht sehr viel Zeit. Diese Zeit muss irgendwo hergenommen werden. Es gibt im jetzigen Programm viele unnütze Beschäftigungen im Theorieunterricht. Hier ist die Möglichkeit, die Zeit zu gewinnen für die viel wichtigere Intonations- Gehör- und Rhythmusbildung. Der Theorieunterricht hat einen zu hohen Stellenwert in unserem Musikunterricht, der durch kein Argument zu rechtfertigen ist. Es ist eine abstrakte Materie, mit der man kleinen Kindern keine Musik beibringen kann.

Dazu ein Zitat des französischen Pädagogen Jean Bourjade:

Es ist ein pädagogischer Fehler,
von einem Kind von 10-11 Jahren eine abstrakte Überlegung zu verlangen,
dessen Intelligenz sich nur auf der Ebene der konkreten Erfahrung bewegen kann.
So schafft man nur leere Worthülsen.

Und noch ein Zitat von Jean Jacques Rousseau:

Man kann die Entwicklung nicht erzwingen.
Die Zeit verzeiht nicht, was man ohne sie macht.

Weitere Zitate in der Einführung zu meinen Büchern.

Neben all diesen Überlegungen soll die Virtuosität im Notenlesen nicht vernachlässigt werden. Dazu gibt es die Übungen Schnelles Lesen. Diese Übungen kommen in allen Büchern vor. Das Kind macht sich einen Spass daraus, im Wettbewerb schneller zu sein als die Kolleginnen und Kollegen.

Ein Kapitel, das noch nie bei uns im Solfège behandelt wurde, ist die Beschäftigung mit den Funktionen Tonika, Subdominante, Dominante und Tonika (T-S-D-T) in Verbindung mit einer Melodie. Der Schüler soll am Ende befähigt werden, einen Bass unter eine Melodie setzen zu können. Jeder Harmonielehrer wird sich über die hier erworbenen Kenntnisse freuen.

Musik hören sollte ein wichtiger Bestandteil des Solfègeunterrichtes sein. Kommt das Kind hier nicht in Verbindung mit der Musikkultur, so haben wir eine wichtige Aufgabe nicht wahrgenommen. Dies wäre unverantwortlich. Später ist das Kind auf sich gestellt und es kommt nur durch einen Zufall zur guten Musik. Dies wäre unverantwortlich.

Notenbeispiele großer Meister befinden sich im 3. Buch. Weitere Melodien zum Musikhören befinden sich in allen Büchern.

In meinen Büchern sind ungefähr 1500 Übungen. Das ist genug Material vom "Préparatoire" bis zum 5. Jahr "Moyen".

Es steht demnach ein kompletter Solfègekursus zur Verfügung, wie er in unserem Lande noch nie angeboten wurde. Zusätzliche Bücher sind nicht erforderlich.

Eine Solfègeübung baut auf den vorher gelernten Rhythmus- und Intonationsübungen auf. Es setzt sie voraus und wendet sie an. Ein einfaches Absingen einer Solfègeübung nutzt dem Kind wenig. Es sollte vorher dazu befähigt werden!