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Was in meinen Solfège-Büchern anders ist

Wer nicht hört, was er sieht, und nicht sieht, was er hört, verdient nicht Musiker genannt zu werden!
Zoltán Kodály
Du musst es so weit bringen, dass du eine Musik auf dem Papier verstehst ...
Robert Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln

Um diesen Zitaten gerecht zu werden, muss gegenüber dem herkömmlichen Solfège-Unterricht, eine ganz andere Konzeption, eine andere Philosophie des Musikunterrichtes geboten werden. Im Mittelpunkt der Arbeit in meinen Büchern steht deshalb:

Die Intonation, die Solmisation mit den Vorzeichen der Intervalle, ist die zentrale Arbeit in meinen Büchern. Der Schüler muss befähigt werden, sich den Klang der Intervalle in seinem Inneren vorzustellen. Die innere klangliche Vorstellung des Notenbildes ist die Voraussetzung, vom Blatt singen und ein Diktat niederschreiben zu können!

Der Schüler soll nicht erst durch die Beschäftigung mit dem Instrument den Kontakt zur Notenschrift erlangen. Dies würde den Solfège-Unterricht überflüssig machen, was nicht in meinem Sinne ist!

Der Beginn des Unterrichtes geschieht mit Hilfe von Liedern, aus denen der Takt, der Rhythmus, die ersten Noten, die ersten Intervalle und die ersten Theoriebegriffe abgeleitet werden. Die theoretische Information ist immer an die Praxis gekoppelt und ist kein selbständiger Arbeitszweig.

In den ersten Büchern sind die Solfège-Übungen kurz. Warum?

Es ist eine Tatsache, dass kleine Kinder sich in langen Solfège-Übungen gerne verlieren. Dies geschieht öfter als wir annehmen. Mit kleinen Übungen kann dieses Problem reduziert beziehungsweise ganz abgestellt werden. Kleine Kinder können sich nicht lange auf eine Arbeit konzentrieren. Kurze Übungen kommen dem entgegen. Kurze Übungen sind auch schneller gelernt und das Kind sieht schneller das Ende der Übung und verliert nicht so schnell den Mut an der Arbeit. Lange Übungen sind ermüdend und ermuntern das Kind nicht, sie zu Hause zu wiederholen. Viele kleine Übungen ergeben am Ende auch viele Noten mit dem Vorteil, dass mehr Tonarten, Style, Charaktere und Rhythmen gelernt werden konnten.

Die Solfège-Übungen werden nach einer durchdachten Arbeitsweise gelernt und dürfen nicht wochenlang nur abgesungen werden! Die akustische Beschäftigung mit dem Notenbild, die Intonation und Solmisation der Intervalle, die Schulung des Rhythmus und des Taktes, die Bildung des Gehörs hat stets Vorrang.

Zweistimmige Sing- und Hörübungen

Man kann nicht früh genug mit der Zweistimmigkeit anfangen. Sie ist sehr wichtig für die musikalische Entwicklung des Kindes. Wie soll ein Schüler ein zweistimmiges Diktat machen können, wenn er vorher noch nie mit der Zweistimmigkeit konfrontiert wurde! Was man beim kleinen Kind versäumt, wird später beim älteren Schüler schwer wieder gut zu machen sein.

Die Virtuosität im Notenlesen wird durch die Übungen Schnelles Lesen gefördert. Die Schüler machen sich einen Spaß daraus, im Wettbewerb mit andern Schülern, der Schnellste zu sein.

Ein Kapitel, das noch nie bei uns im Solfège behandelt wurde, ist die Beschäftigung mit den Funktionen Tonika, Subdominante, Dominante und Tonika (T-S-D-T) in Verbindung mit einer Melodie. Der Schüler soll am Ende befähigt werden, einen Bass unter eine Melodie setzen zu können. Jeder Harmonielehrer wird sich über die hier erworbenen Kenntnisse freuen.

Ich bin kein Freund von sogenannten Quizaufgaben, in denen nur die richtige Lösung angekreuzt werden muss. Die Antwort, die der Schüler gefunden hat, gibt keine Auskunft über sein Wissen und Können. Um dieses zu überprüfen, muss er die Aufgabe selber reproduzieren.

Die didaktische Arbeit besteht im Singen, Solmisieren, Definieren, Memorieren, der inneren Vorstellung, dem Hören, Wiedererkennen und Schreiben.

Der traditionelle Theorieunterricht, eine abstrakte Materie, hat einen zu hohen Stellenwert im jetzigen Musikunterricht, der durch kein Argument zu rechtfertigen ist.

Es ist ein pädagogischer Fehler, von einem Kind von 10-11 Jahren eine abstrakte Überlegung zu verlangen, dessen Intelligenz sich nur auf der Ebene der konkreten Erfahrung bewegen kann. So schafft man nur leere Worthülsen.
Jean Bourjade, französischer Kinderpsychologe
Man kann die Entwicklung nicht erzwingen. Die Zeit verzeiht nicht, was man ohne sie macht.
Jean-Jacques Rousseau

Musik hören ist auch Bestandteil des Solfège-Konzeptes. Kommt das Kind hier nicht in Verbindung mit der Musikkultur, so haben wir eine wichtige Aufgabe nicht wahrgenommen. Später ist das Kind auf sich gestellt und es kommt nur durch einen Zufall zur guten Musik. Im 3. Buch befinden sich Notenbeispiele, die von einem Tonträger aus angehört werden sollen. Schöne Solfège-Melodien aus den Büchern sind zum Anhören sehr geeignet.

Der Professor hat einen kompletten Solfège-Kursus zur Verfügung, wie er in unserem Lande noch nie angeboten wurde.

Eine Solfège-Übung baut auf den vorher gelernten Rhythmus- und Intonations-Übungen auf. Es setzt sie voraus und wendet sie an. Ein einfaches Absingen einer Solfège-Übung nutzt dem Kind wenig. Es sollte vorher dazu befähigt werden!

 

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